Steigt er ins Thema Typografie ein, so wird dem Anfänger zumeist empfohlen, sich auf maximal zwei Schriften pro Layout zu beschränken. - Ein guter Tipp für Anfänger, der sich aber oft so tief einbrennt, dass viele Designer auch noch Jahre später an der "Zwei-Schrifteritis" leiden.
Die Folge ist dann zumeist ein, na sagen wir recht nüchterner Gestaltungsstil, der auch gerne mit Symptomen der "Rechteckeritis" einhergeht. Deshalb sollte man von Zeit zu Zeit den alten Ballast abwerfen und eine schöne, zum Thema passende Headline-Schrift verwenden.
Doch woher nehmen? Von kommerziellen modernen Satz-Schriften gibt es mehr und mehr Display-Varianten. Diese Schnitte sind wesentlich feingliedriger und detaillierter als eine Schrift, die für Fließtext gestaltet ist.
Oben: Minion Caption (Bildunterschrift), unten Minion Display Freefonts sind doch noch immer die erste Wahl, wenn es um Headline-Fonts geht. Es gibt von ihnen abertausende im Netz und zu jedem Thema. Und da ist auch das Problem: Wie finde ich die Nadel in diesem Heuhaufen? Einige dieser Freefont-Seiten sind erstaunlich gut sortiert, so auch
dafont.com. Besonders die gute Verschlagwortung lässt die Seite aus anderen Angeboten herausragen, auch der Umfang ist gewaltig. Qualitativ gute Headline-Schriften machen
Ray Larabie und
Rian Hughes.
Probieren wir es einmal aus Ich nehme den Duden und schlage eine beliebige Seite auf, suche nach einem sinnvollen Begriff, der unser Thema sein wird: Fffffft! "Fahrbahn". Na gut, machen wir im Kopf schon einmal eine Vorauswahl: Straßenschilder mit konstruierten Lettern, oder schmalfetten amerikanischen Gothics (So heißen die typisch amerikanischen Groteskschriften). Dann haben wir Nummernschilder, Autologos, Werbetafeln, Bauschilder, Werkstätten- und Tankstellenschilder oder Tachozahlen - All das soll jetzt unsere Inspiration sein.
Los geht es. Ab auf dafont. Hmm. Probieren wir doch die Kategorie "Fancy", also Zierschriften und die Unterkategorie "Oldschool" - Vielleicht finden sich hier ein paar Logoschriften alter Automarken.
Pech gehabt - Nichts dabei. Nächste Kategorie:"Eroded", also Schriften, die einwenig gebraucht ausschauen, vielleicht gibt es ja eine mit Asphalt- oder Reifentextur: Klick, klick! Bingo! "Gipsiero" soll sie heißen und schaut aus, wie die Schrift eines alten Werbe-Schilds für ein Tex-Mex-Steakhouse an der Route 66. Und es sieht aus als ob schon ein paarmal jemand drübergefahren wäre - perfekt!
Und "Zack" - haben wir einen kleinen, ganz unlangweiligen Flyer zusammengeklickt. Die Gipsero erfüllt ihren Dienst ganz nach Vorschrift, nur noch die "ArtistStamp", ebenfalls ein Display-Freefont dazugepackt, auch die Turnpike und zum Abrunden noch die Futura. Vier Schriften auf kleinstem Raum. Gar kein Problem.
Aber Vorsicht! Bei Displayfonts, sofern sie nicht aus Deutschland stammen, bleibt immer ein Restrisiko, dass keine Umlaute enthalten sind, Hier muss man dann selbst noch einmal Hand anlegen und die Pünktchen noch obendrauf setzen. Auch das Eszett ist kein gerngesehener Gast bei den nicht-vaterländischen freefonts. Das Kerning (Der Abstand der Buchstaben unter einander) wird ebenfalls oft vernachlässigt, doch ein etwas geübter Grafiker kann das leicht korrigieren. Für längere Textstücke sollte man deshalb Freefonts meiden. Ausnahmen gibt es dennoch, doch das beim nächsten Mal.