Von einem der auszog, eine Pfeife zu schmauchen
Männer haben es wesentlich einfacher zu altern als Frauen, da sie wie manch ein guter Wein oder Whiskey mit der Zeit durchaus Qualitäten gewinnen, die auf die Damenwelt einzigartige Faszination ausüben. Um diese Qualitäten mit einem gewissen selbst gemachten Mythos zu unterstreichen, haben sich die Herren der Schöpfung das ein oder andere raffinierte Detail einfallen lassen. Ganz vorne mit dabei: Das Pfeife rauchen. Ein Mann, der an seiner Pfeife zieht, strahlt ein anscheinende Erfahrenheit, Charakterstärke und Ruhe aus, wohl auch dadurch verschuldet, dass er gezwungenermaßen eine längere Zeit den Mund hält. Und wer nichts sagt, kann auch nichts Falsches sagen. Doch nicht nur im Klischee, sondern auch in der Praxis wird vom Pfeifenraucher ein gemäßigtes Temperament vorausgesetzt. So ist es tatsächlich der Fall, dass für die Rituale des Stopfens und Reinigens, aber auch des Rauchens einiges an Zeit und Gelassenheit benötigt wird, sonst gerät der angestrebte Genuss schnell zum hektischen Ärgernis. Was dem Tobaksgenuss ebenfalls zu einigem Pathos verhilft, ist freilich die große Zahl gebildeter und berühmter Pfeifenraucher, so haben sie Größen wie Jean-Paul Sartre, Sherlock Holmes, Günter Grass oder Helmut Schmidt als Wegbereiter des kultivierten Rauchgenusses auf der Haben-Seite zu verbuchen. All diese Aspekte sind Grund genug für uns, zu beleuchten, wie man sich seine erste Pfeife kauft, wie man am besten mit dem Pfeife rauchen anfängt und was zum Genießen alles dazu gehört.
Sartre mit Pfeife und Mieze Simone de Beauvoir authentisch vor Balzacs Grab Der Pfeifenkauf Der erste Pfeifenkauf muss nicht zum finanziellen Abenteuer geraten, denn Einsteigerpfeifen werden schon zu recht humanen Preisen angeboten. Oft werden beim Fachhändler sogar Sets (ca. 40 - 60 Euro) verkauft, die Pfeife, Pfeifenreiniger, Pfeifenstopfer und Filter beinhalten. Einsteigerpfeifen zeichnen sich dadurch aus, dass sie meist aus günstigerem Holz oder hitzebeständigem Kunststoff gefertigt und eingeraucht, bzw. rauchfertig sind. Das kann man meist daran erkennen, dass die Innenseite des Pfeifenkopfs rußig oder mit einer feuerfesten schwarzen Schicht behandelt worden ist. Eine solche Pfeife ist für den Anfänger um einiges besser geeignet, da die Pfeifenwand nicht erst langsam "eingefahren" werden muss. Für die erste Pfeife sind jedoch noch weitere Faktoren wichtig. Einerseits die Form: Es gibt dicke und dünne, lange und kurze, geschwungene und gerade. Wählen Sie die Pfeife entsprechend Ihrer Gesichtsform und Ihrer Statur aus - schlanke Menschen mit schmalem Gesicht, sollten auch eine dementsprechend schmale Pfeifenform wählen - kräftige Menschen mit Stiernacken eine wuchtigere Pfeife. Zumindest wenn Sie nicht aussehen wollen wie Moby Dick, der auf einem Zahnstocher herumkaut. Halten Sie die Pfeife beim Kauf in der Hand und wägen Sie ab, ob das Instrument gut für Ihre Anatomie austariert ist. Weiterhin sollten Sie in Betracht ziehen, anfänglich einem Mundstück den Vorzug zu geben, das eine gewisse Breite mit sich bringt, ebenfalls eine nach unten geschwungene Form ist sinnvoll, so können Sie die Pfeife leichter mit den Zähnen oder gar den Lippen festhalten. Ein weiterer Aspekt beim Pfeifenkauf: Achten Sie darauf, dass der Pfeifenboden mit der Mündung des Kolbens ebenerdig ist. Liegt der Boden tiefer, kommt es meist zu Komplikationen. Jeder gut sortierte Pfeifenladen wird auch ein paar Tabakpröbchen haben, die Ihnen die anfängliche Suche nach einem geeigneten Tabak erleichtern. Fragen Sie nach einem Tabak, der recht mild und am besten nicht aromatisiert ist. Denn meist raucht man nicht alleine und ein Pfeifenkraut, das wie ein Autoduftbaum riecht, könnte unter Umständen Unmut hervorrufen. Das Pfeiferauchen Bis zu Ihrem ersten genussvollen und gekonnten Pfeiferauchen wird einiges an Wasser den Rhein hinuntergeflossen sein. Denn das richtige Stopfen einer Pfeife will gelernt und gemeistert sein. Suchen Sie sich zu allererst einen normal oder fein geschnittenen Tabak aus, da dieser konstanter abbrennt als grober geschnittener. Als Voraussetzung können Sie sich schon einmal merken, dass Sie beim Ziehen an der gestopften Pfeife einen Widerstand erfahren müssen, der weder zu stark, noch zu schwach ist. Zu leicht gestopfte Pfeifen schwächen den Rauchgenuss und sorgen dafür, dass der Tabak nicht gleichmäßig abbrennt. Zu fest gestopfte Köpfe neigen dazu auszugehen und zuviel Kondenswasser am Pfeifenboden zu sammeln. Deshalb stopft man die Pfeife am besten in drei verschiedenen Lagen: Einer losen Schicht unten, einer kompakteren Schicht in der Mitte und einer festeren Schicht oben. Erste Lage: Formen Sie eine Dreifingerportion Tabak in der Hand zu einer sehr losen Kugel und lassen Sie ihn in die Pfeife fallen. Klopfen Sie den Tabak nach unten. Wiederholen Sie diesen Vorgang und drücken Sie den Tabak leicht an. Beim Ziehen stellen Sie fast keinen Widerstand fest.
Zweite Lage: Formen Sie in der Hand eine leicht feste, aber insgesamt noch lockere Kugel und füllen Sie diese in die Pfeife. Drücken Sie den Tabak leicht fest, indem Sie ihn sanft gegen den Rand drehen, wie einen Wirbel. Wiederholen Sie das noch einmal.
Dritte Lage: Füllen Sie eine Portion Tabak direkt in die Pfeife und drücken Sie ihn durch drehen des Fingers oder der Pfeife an, ohne ihn zu weit nach unten zu drücken. Die letzte Schicht sollte eine gerade Oberfläche ergeben, auf die Sie am ende noch wenige lose Tabakkrümel streuen können, um das Anzünden zu erleichtern. Manche Raucher schwören auch auf einen vorher in der Hand geformten flachen Pfropfen, der beim Anzünden als "Treibladung" dient. Zünden Sie die Pfeife nun an, ziehen sie dabei vorsichtig daran, nicht zu sehr, sonst rauchen Sie die Pfeife heiß. Die ganze Oberfläche sollte nun brennen und sich leicht aufbäumen. Drücken Sie die Glut nun mit dem Pfeifenstopfer leicht eben. Eine gut gestopfte Pfeife wird bis zum Boden brennen und auch mit nur wenigen Zügen nicht ausgehen. Ziehen Sie nicht zu oft an der Pfeife, um sie am brennen zu halten, denn so wird die Pfeife zu heiß und zu nass. Zünden Sie sie lieber erneut an, wenn Sie ausgegangen ist. grober Pfeifentobak mit Selleriestücken Das Reinigen der Pfeife Das Reinigen der Pfeife gehört mit zum Ritual, nehmen Sie sich Zeit dafür und lassen Sie Sorgfalt walten! Nach dem Rauchen, sollte eine Pfeife gut 24 Stunden ruhen (aufrecht nicht auf der Seite liegend). Das ist nötig, da das Holz sehr viel Feuchtigkeit während des Rauchens aufnimmt und sonst zu sehr quellen würde. Die Pfeife würde Schaden nehmen. Wenn Sie eine Pfeife ganz heruntergeraucht haben, so lassen Sie die Asche bis zum nächsten Tag darin liegen - so nimmt sie die Feuchtigkeit des Holzes auf. Reinigen Sie den Kolben der Pfeife mit Hilfe der Pfeifenreiniger, die Asche können Sie ausklopfen, restlichen Tabak können Sie mit dem Pfeifenwerkzeug entfernen. Reinigen Sie die Pfeife spätestens nach einem Tag. Wichtige Tipps
- Um angetrockneten Tabak wieder feucht zu bekommen, legen Sie einfach einen Schäler Sellerie in die Dose - der gibt gleichmäßig seine Feuchtigkeit ab und hat ein ähnlich würziges Aroma wie der Tabak.
- Geben Sie nicht auf, auch wenn am Anfang die Zunge vom Rauch brennt. Nach einiger Zeit sind Sie desensibilisiert.
- Genießen sie zur Pfeife: Kaffee, Tee, Whiskey, Sherry, Portwein oder Cognak. Weinaroma würde weitestgehend von den Aromen des Tabaks überdeckt werden. Biergeschmack nimmt stark an Bitterkeit zu.

